Fiqh bedeutet, die praktischen Regeln des Islam zu verstehen und sie im Alltag richtig anzuwenden. Der Fiqh zeigt Muslimen, wie sie Allah in ihrem täglichen Leben gehorchen. Er stützt sich auf die anerkannten Quellen des Islam, besonders auf den Koran und die Sunna.
Die Gelehrten schauen nicht nur in den Koran und die Sunna. Sie beachten auch, worüber sich anerkannte Gelehrte einig sind. Wenn zu einer neuen Frage kein direkter Text vorliegt, vergleichen sie diese Frage mit einem ähnlichen Fall, zu dem es bereits eine islamische Regel gibt. Daraus leiten sie eine passende Regel ab.
Fiqh ist keine persönliche Meinung und keine Entscheidung nach Lust, Gewohnheit oder gesellschaftlicher Mode. Niemand darf ohne Wissen einfach selbst bestimmen, was halal, also erlaubt, und was haram, also verboten, ist.
Wer kein tiefes Wissen über islamische Rechtsfragen hat, fragt vertrauenswürdige Gelehrte. Fiqh ordnet nicht nur Gebet, Fasten und Reinheit, sondern auch Ehe, Scheidung, Handel, Schulden, Verträge, Erbe und Streitfälle. Durch den Fiqh werden Rechte und Pflichten zwischen Menschen klarer. Der Fiqh schützt den Muslim davor, sein Leben nur nach Gefühlen, Vermutungen oder fremden Maßstäben zu führen.
Der Fiqh hilft auch bei neuen Fragen, weil Gelehrte neue Fälle anhand der islamischen Quellen beurteilen. Er zeigt, dass der Islam nicht nur ein Glaube im Herzen ist, sondern auch eine Ordnung für das praktische Leben. Die Regeln im Fiqh können verpflichtend, empfohlen, erlaubt, unerwünscht oder verboten sein. Unterschiedliche Ansichten unter anerkannten Gelehrten entstehen nicht durch Willkür, sondern dadurch, dass sie die Beweise prüfen und unterschiedlich anwenden.
Und Wir haben das Buch mit der Wahrheit zu dir herabgesandt, das bestätigt, was von der Schrift vor ihm da war und darüber Gewissheit gibt; richte also zwischen ihnen nach dem, was Allah herabgesandt hat und folge nicht ihren Neigungen, von der Wahrheit abzuweichen, die zu dir gekommen ist. …
Koran Sure 5, Vers 48
