Eine islamische Verfassung ist die Grundlage dafür, wie ein islamischer Staat regiert wird, wie in ihm Recht gesprochen wird und wie er verwaltet wird. Ihre obersten Quellen sind der Koran und die Sunna des Propheten Muhammad, also sein Vorbild sowie seine überlieferten Aussagen und Handlungen. Im Islam ist Allah der höchste Gesetzgeber, weder der Mensch noch eine Partei noch ein Herrscher.
Deshalb darf kein Gesetz erlauben, was Allah verboten hat, und umgekehrt darf kein Gesetz verbieten, was Allah erlaubt hat. Eine Verfassung ist nur dann wirklich islamisch, wenn sie Koran und Sunna nicht widerspricht. Staatliche Regeln für die Verwaltung, Ordnung und Organisation sind erlaubt, solange sie die Grenzen des Islam einhalten.
Auch alle staatlichen Einrichtungen müssen sich an diese islamische Verfassung halten. Dazu gehören Gerichte, Behörden, die Verwaltung und die Führung. Der Herrscher steht im Islam nicht über dem Gesetz, sondern ist selbst an das Recht Allahs gebunden. Richter und Verantwortliche dürfen nicht nach eigener Laune, eigenem Vorteil oder persönlicher Meinung entscheiden.
Beratung ist im Islam wichtig, besonders bei Fragen der Umsetzung und bei Angelegenheiten, die nicht eindeutig festgelegt sind. Doch klare Gebote und Verbote aus Koran und Sunna dürfen durch Beratung, Mehrheit oder Gewohnheit nicht aufgehoben werden. Über klare Verbote wie Zins, offene Unzucht oder andere eindeutig verbotene Dinge darf nicht so abgestimmt werden, als ob sie erlaubt wären.
Wenn Allah und Sein Gesandter klar entschieden haben, endet an dieser Stelle die freie menschliche Gesetzgebung. Ein Staat, der islamische Regeln mit unislamischen Gesetzen vermischt, setzt die islamische Ordnung nicht vollständig um.
Das Ziel einer islamischen Verfassung ist eine gerechte Ordnung. In dieser Ordnung widerspricht kein Gesetz Allah, und die Menschen sind nicht von wechselnden Ideologien, also wechselnden Denkweisen, abhängig.
Und du sollst zwischen ihnen nach dem richten, was von Allah herabgesandt wurde; und folge nicht ihren Neigungen, und sei vor ihnen auf der Hut, damit sie dich nicht bedrängen und von einem Teil dessen, was Allah zu dir herabgesandt hat, wegtreiben. Wenden sie sich jedoch (von dir) ab, so wisse, dass Allah sie für etliche ihrer Sünden zu treffen gedenkt. Wahrlich, viele der Menschen sind Frevler.
Koran Sure 5, Vers 49
