Das Gute zu gebieten und das Schlechte zu verbieten ist im Islam eine Pflicht, die ein Muslim entsprechend seinem Wissen, seinen Möglichkeiten und seiner Verantwortung erfüllt. Ein Muslim lebt nicht nur für sich selbst, sondern achtet auch in seiner Umgebung darauf, dass Allahs Gebote befolgt und Allahs Verbote gemieden werden. Zum Guten gehört alles, was Allah liebt und befohlen hat, besonders Glaube, Gebet, Gehorsam, Ehrlichkeit, Gerechtigkeit und ein reines Leben. Zum Schlechten gehört alles, was Allah verboten hat, wie offener Ungehorsam, Lüge, Betrug, Unrecht, Unzucht, Alkohol, Zinsen und andere Sünden.
Diese Pflicht beginnt bei den Menschen, für die man die größte Verantwortung trägt, also besonders bei der eigenen Familie, den Kindern, den Verwandten und den nahen Freunden. Ein Muslim darf klar sichtbares Unrecht nicht gutheißen, nicht schönreden und nicht so behandeln, als ob es normal wäre. Wer das Schlechte ändern kann, soll es in seinem Verantwortungsbereich durch eigenes Handeln verhindern oder beseitigen. Wer das nicht durch eigenes Handeln ändern kann, soll mit guten Worten beraten, erinnern, warnen und das Falsche klar benennen. Wer weder handeln noch sprechen kann, muss das Schlechte wenigstens im Herzen ablehnen und darf sich innerlich nicht daran gewöhnen.
Damit diese Pflicht richtig erfüllt wird, ist beim Verbieten des Schlechten Wissen nötig, damit man nicht aus Unwissenheit etwas für erlaubt hält, was verboten ist, oder etwas für verboten hält, was erlaubt ist. Auch Aufrichtigkeit ist nötig, damit man Allah gefallen will und nicht Menschen bloßstellen oder sich selbst erhöhen möchte. Beim Ermahnen soll ein Muslim geduldig, gerecht und respektvoll bleiben und darf nicht beleidigend, hochmütig oder ungerecht handeln. Außerdem soll er prüfen, ob seine Worte oder sein Handeln nützen, und er soll dadurch keine größere Sünde und keinen größeren Schaden verursachen.
Wer andere zum Guten aufruft, soll sich dabei selbst nicht vergessen, sondern auch selbst ernsthaft versuchen, nach dem zu leben, wozu er andere aufruft. Durch diese Pflicht werden Glaube, Familie und Gesellschaft geschützt, weil Muslime einander dabei helfen, auf dem geraden Weg zu bleiben.
Ihr seid die beste Gemeinde, die für die Menschen entstand. Ihr gebietet das, was Rechtens ist, und ihr verbietet das Unrecht, und ihr glaubt an Allah. Und wenn die Leute der Schrift geglaubt hätten, wahrlich, es wäre gut für sie gewesen! Unter ihnen sind Gläubige, aber die Mehrzahl von ihnen sind Frevler.
Koran Sure 3, Vers 110
