Bei jeder islamischen Gruppe lautet die erste Frage nicht, wie bekannt, groß oder sympathisch sie ist, sondern ob sie sich wirklich an den Koran und die Sunna, also an das Vorbild und die Lebensweise des Propheten Muhammad, hält. Entscheidend ist also nicht das Auftreten der Menschen, sondern ob die Gruppe den Islam ernst nimmt und sich ehrlich an das bindet, was Allah offenbart hat. Eine Gruppe ist nicht richtig, wenn sie klare Pflichten kleinredet, klare Verbote verharmlost oder Teile des Islam bewusst ausblendet.
Eine richtige Gruppe beschränkt den Islam nicht auf Frömmigkeit, Gefühle oder Charakterarbeit, sondern behandelt ihn als vollständige Lebensordnung. Eine solche Gruppe hilft den Menschen nicht nur, fromm zu wirken, sondern den Islam im Glauben, im Alltag und im ganzen Leben richtig zu verstehen und umzusetzen. Außerdem lehrt sie klares islamisches Wissen und erzieht die Menschen nicht bloß mit Stimmung, Emotionen oder allgemeinen Appellen. Es reicht nicht, nur das Lesen des Korans, gutes Benehmen oder einzelne Formen der Frömmigkeit zu lehren, wenn die Menschen dabei nicht lernen, wie der Islam als Ganzes gelebt werden soll. Eine richtige Gruppe bildet Muslime so aus, dass sie ihre Religion bewusst, begründet und standhaft tragen können.
Eine richtige Gruppe bleibt außerdem nicht mit sich selbst beschäftigt, sondern trägt den Islam nach außen und ruft andere zur Wahrheit. Der Weg des Propheten Muhammad war nicht Rückzug, Abschottung und Selbstbeschäftigung, sondern Dawa, also die Einladung zum Islam, Bildung und Veränderung. Darum ist eine Gruppe unvollständig, wenn sie nur eigene Kreise pflegt, aber keinen echten Nutzen für die Gesellschaft bringt. Zu einer richtigen Gruppe gehört auch, dass sie öffentliches Unrecht klar benennt und zu den Problemen der Umma, also der muslimischen Gemeinschaft, nicht schweigt. Politische Tätigkeit gehört in diesem Sinn dazu, wenn damit gemeint ist, auf die Gesellschaft einzuwirken, Unrecht aufzudecken und die Menschen über Missstände aufzuklären. Eine richtige Gruppe stärkt die Verbundenheit mit der Umma und blendet Angriffe, Unterdrückung und offenes Unrecht gegen Muslime nicht aus.
Die richtige Gruppe ist damit die, die den Islam in seiner ganzen Breite versteht, ihn ernsthaft lehrt, ihn nach außen trägt und Verantwortung für den Zustand der Gesellschaft übernimmt.
Und aus euch soll eine Gemeinde werden, die zum Guten einlädt und das gebietet, was Rechtens ist, und das Unrecht verbietet; und diese sind die Erfolgreichen.
Koran Sure 3, Vers 104
