Unter Anarchie versteht man, dass Menschen ohne verbindliche Führung, ohne anerkannte Ordnung und ohne verpflichtende Autorität leben wollen. Diese Vorstellung lehnt der Islam ab, denn Allah hat die Menschen nicht für Chaos, Streit und Gesetzlosigkeit erschaffen. Außerdem braucht eine Gemeinschaft Führung, damit Rechte geschützt, Streit gelöst und das Zusammenleben geordnet bleibt. Deshalb lehrt der Islam, dass Muslime Allah gehorchen, dem Gesandten gehorchen und den Verantwortlichen in erlaubten Dingen folgen. Dabei ist wichtig: Gehorsam gegenüber einer Führung gilt nur im Guten, denn niemandem darf gehorcht werden, wenn er zum Ungehorsam gegenüber Allah auffordert.
Anarchie kann oft dazu führen, dass der Starke den Schwachen unterdrückt, weil keine feste Ordnung die Rechte der Menschen schützt. Denn ohne verbindliche Ordnung sind Sicherheit, Familie, Besitz, Ehre und Leben der Menschen leichter gefährdet. Anarchie klingt für manche nach Freiheit, doch sie kann in Wirklichkeit Angst, Gewalt, Unsicherheit und Spaltung bringen. Der Islam verbindet Freiheit dagegen mit Verantwortung, damit der Mensch nicht seinen eigenen Wünschen folgt und anderen nicht schadet.
Der Islam erlaubt nicht, Unrecht durch noch größeres Unrecht zu bekämpfen. Wer echte Verbesserung will, soll deshalb mit Wissen, Geduld, Gerechtigkeit und erlaubten Mitteln handeln. Muslime sollen Unrecht ablehnen, aber dabei die Grenzen Allahs einhalten und keinen größeren Schaden verursachen. Darum braucht eine islamische Gemeinschaft Beratung, Gerechtigkeit und Verantwortung, nicht Führungslosigkeit und Chaos. Die bessere islamische Antwort auf Anarchie ist also eine gerechte Ordnung, in der Allah gefürchtet, Rechte geschützt und Menschen nicht sich selbst überlassen werden.
Und wenn die Wahrheit sich nach ihren Begierden gerichtet hätte; wahrlich, die Himmel und die Erde und wer darin ist, wären in Unordnung gestürzt worden. Nein, Wir haben ihnen ihre Mahnung gebracht, doch von ihrer eigenen Mahnung kehren sie sich ab.
Koran Sure 23, Vers 71
